SÜDAFRIKA-TOUR VII

An diesem Tag stand der Meisterkurs „Chordirigieren“ auf dem Plan. Unter der Anleitung unserer Chorleiterin Inga durften insgesamt zwölf Studierende der Stellenbosch Universität je ca. 20 Minuten mit unserem Chor arbeiten. Die Studierenden kamen aus unterschiedlichen Studien- und Jahrgängen, aber alle hatten sich fantastisch auf ein Stück aus unserem Repertoire vorbereitet. Die Aufgabe des Chores bestand darin, genau zu spiegeln, was die Dirigierenden uns anzeigten - auch manchmal gegen unsere Stückkenntnisse und unser musikalisches Verständnis. Nach dem kurzen Durchlauf des jeweiligen Stückes gab Inga den Studierenden Rückmeldung und erklärte, was warum nicht so gut geklappt hatte. Warum zum Beispiel hat hier der Einsatz der Soprane geklappert? Weil Handführung und Atmung der Dirigenten unterschiedliche Einsätze suggerierten. Warum war der Akkord hier unsauber? Weil die verkrampfte Körperhaltung des Dirigenten sich auf die Körperspannung und somit Intonation der Sänger übertrug. Oder warum hat der Alt so merkwürdige Schweller gesungen, dass der Sopran vor lauter Lachen nicht mehr singen konnte? Weil die rechte Hand des Dirigenten unbeabsichtigterweise einen Zuwachs an Energie hervorrief, statt einfach ein ruhiges Legato zu halten. Inga korrigierte die Studierenden, mitunter mit witzigen Übungen (zum Beispiel beim Dirigieren eine Taschentuchpackung auf dem Handrücken zu balancieren oder mal ganz ohne die Benutzung der Hände zu „dirigieren“) und es war faszinierend zu beobachten und hören, wie sich dadurch der Klang sehr schnell verbesserte. So war der Workshop nicht nur für die Studierenden, sondern auch für uns ein äußerst lehrreiches und interessantes Erlebnis.

Am Nachmittag sind wir dann nach Kapstadt gefahren. Eigentlich stand der Tafelberg erst für den nächsten Tag auf dem Reiseplan, aber wegen einer schlechten Wettervorhersage für ebendiesen verlegte unsere Reiseleiterin Amanda diesen kurzerhand nach vorn. Oft ist der Tafelberg in eine weiße Wolkendecke gehüllt (das „Tischtuch“) und bei schlechtem Wetter ist die Seilbahn geschlossen. Wir hatten aber Glück und genossen schon während der Anfahrt den Blick auf den gigantische Felsen mit der exotischen Flora. Da der Aufstieg mehrere Stunden gedauert hätte, führen wir mit der Gondel nach oben. Diese war rund wie eine Raumkapsel geformt und die Bodenscheibe drinnen drehte sich während der 5-minütigen Fahrt einmal um 360 Grad, so dass man die Aussicht von allen Seiten genießen konnte. Oben schlug uns eiskalter Wind entgegen und viele von uns ärgerten sich, nicht noch wärmere Sachen dabei zu haben. Die Nordseite des Berges war schon komplett in eine Wolke gehüllt, die sich bedrohlich schnell über den Bergrücken schob. Trotzdem erhaschten wir immer wieder tolle Ausblicke auf den False Bay und die Stadt unterhalb und genossen es, oben im Nebel zwischen den herrlichen Pflanzen zu flanieren und die possierlichen Klippschliefer (die sahen aus wie übergroße Meerschweinchen) zu beobachten. Wie schon so oft auf dieser Reise mussten wir leider nach viel zu kurzer Zeit wieder aufbrechen.
Nach dem Bezug unserer Zimmer im Kapstädter Hotel ging es zur Waterfront, einer Flaniermeile am Meer, wo wir uns die einheimische Küche schmecken ließen. Diese ist zum Leid unserer Vegetarier recht fleischlastig, doch dank des großen Wildtieranteils haben viele doch mal wenigstens probiert. Neben Rindfleisch gab es Lamm, diverse Antilopenartens namens Imapala, Springbock und Kudu, aber auch Straußenfleisch und sogar Krokodil. Einige Mutige von uns haben auf einer Grillplatte gleich alle Fleischsorten gleichzeitig probiert. Was schmeckte am besten? Die Mehrzahl schwärmten von Kudu und Impala, aber auch der Strauß erhielt sehr gute Bewertungen. Das Krokodil war unerwartet zart und erinnerte eher an Lachsschinken. Außerdem gibt es viele Hackfleischgerichte, besonders berühmt ist Bobotie: eine Art Auflauf aus Rinderhackfleisch, Rosinen, Brot, Mandeln und Aprikosenchutney, welches mit Eiercreme überbacken und auf Safranreis serviert wird. Auch unsere Fisch- und Meeresfrüchtefreunde kommen hier an der Küste auf ihre Kosten; es gibt wohl hervorragende Austern und Miesmuscheln und vom frischen Fisch schwärmen so einige von uns. Zum süßen Abschluss kann man sich einen Malva-Pudding gönnen (eher ein warmer Kuchen) oder die Koeksisters (in Zuckersirup getauchte ausgebratene Teigzöpfe). Generell scheint man es hier sehr süß zu mögen. Zum Fleisch gibt es immer süße Soßen oder Chutneys, und auch das Gemüse ist immer in Zucker oder Sirup angebraten. Der indische Einfluss auf die südafrikanische Küche spiegelt sich vor allem in der Vielzahl der Currygerichte wieder. | Antonia

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